Die Fußball Weltrangliste
Wie funktioniert die Berechnung der Platzierungen? Und
wie aussagekräftig sind die jeweiligen Platzierungen?
Ranglisten sind ein kulturelles Phänomen
der Moderne und verbreiten sich in immer mehr Lebensbereichen,
denn sie schaffen Übersichtlichkeit und Ordnung.
Musiktitel drücken ihren Erfolg über Verkaufszahlen
in den Charts aus und die Wirtschaftskraft ganzer Länder
wird genauso verglichen wie die Qualität von Universitäten.
Die allgegenwärtige Präsenz der Ranglisten hat
ihre englische Übersetzung als Ranking längst
im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert.
Auch im Sport haben Ranglisten schon
lange in den meisten Sportarten Einzug gehalten, um die
aktuelle Stärke von Athleten, Mannschaften und Spielern
auszudrücken. Über die verschiedensten Formeln
und Punktezählungen soll Klarheit geschaffen werden,
wer gerade die Leistungsspitze verkörpert. Diese
Vorgehensweise ist allgemein akzeptiert, nur an einzelnen
Berechnungen wird gelegentlich Kritik geübt, wenn
sie vermeintlich nicht dem aktuellen Leistungsstand entsprechen.
Der Fußball, eine der populärsten
Sportarten weltweit, bedient sich ebenfalls seit einiger
Zeit verschiedener Ranglistensysteme und vergleicht die
aktuelle Stärke von einzelnen Klubs, Fußballverbänden
und Nationalmannschaften. Für die heimische Bundesliga
gibt es eine ewige Tabelle, der europäische Fußballverband
führt Länder- sowie Klubwertungen und auch die
FIFA stellt seit 1993 ein Ranking der Nationalmannschaften
auf.
Die Entwicklung der FIFA-Weltrangliste
Obwohl das FIFA-Ranking noch verhältnismäßig
jung ist, hat es sich bereits fest in der Sportberichterstattung
etabliert und wird in regelmäßigen Abständen
aufgefrischt und veröffentlicht. Die Berechnung
der Weltrangliste glich zunächst einer gewöhnlichen
Tabelle, wo für Siege drei Punkte und für
ein Unentschieden ein Punkt zuerkannt wurden. Maß-
geblich für die Punktewertung waren offizielle
FIFA-Spiele vom Freund- schaftsspiel bis zum WM-Match.
Das System war zwar simpel und übersichtlich, ließ
aber viele Faktoren unberücksichtigt, so dass 1999
eine erste Überarbeitung der Wertung erfolgte.
Nun wurde unter anderem auch die Tordifferenz eines
Spiels oder dessen Bedeutung einbezogen und zwischen
Heim- und Auswärtsspiel unterschieden.
Die komplette Liste gibt es unter http://de.fifa.com
(Direktlink zur Liste
Das alte Punktesystem wurde durch eine
erste Berechnungsformel abgelöst und selbst der Verlierer
einer Partie konnte nach neuer Wertung noch Punkte sammeln.
Praktisch hatte die Umstellung zumindest an der Spitze
keine Auswirkung, denn Brasilien behielt die Top-Position
auch danach noch inne.
Nach der WM 2006 wurde das Wertungssystem
ein weiteres Mal modifiziert und in seine heutige Form
gebracht. Zentrale Veränderung war die Verkürzung
des Zeitraums für die berücksichtigten Spiele
von acht auf vier Jahre, um ein aktuelleres Bild vom Leistungsniveau
der Teams zu zeichnen. Seit diesem Zeitpunkt wird jedes
Match nach der Formel P=M x I x T x C x 100 in Punkten
gewertet, welche in der Addition die maßgebliche
Gesamtpunktzahl für die Rangliste ergeben. Unter
M wird das Spielergebnis mit unterschiedlichen Punkten
für Sieg, Niederlage und Unentschieden bewertet.
Ähnlich wie beim Eishockey werden auch Siege nach
Verlängerung oder Elfmeterschießen anders gewichtet.
Mit dem Faktor I wird die Wichtigkeit des Spiels einbezogen,
während T die Teamstärke gemäß dem
Ranking vor dem Spiel berücksichtigt und die Variable
C die Stärke des jeweiligen Kontinentalverbands einer
Mannschaft ausdrückt. Alle Ergebnisse werden im Laufe
der Zeit abgewertet, wodurch die Spielausgänge der
letzten 12 Monate eine stärkere Gewichtung erfahren
als länger zurückliegende Matches.
Die Aussagekraft der FIFA-Weltrangliste
Ein Blick auf die aktuelle Rangliste
vor der WM 2010 entspricht in groben Zügen den gefühlten
Kräfteverhältnissen im Weltfußball. Brasilien
und Spanien dominieren die Nationenwertung mit deutlichem
Abstand und waren vor dem Turnier in Südafrika nur
durch wenige Punkte voneinander getrennt. Ob Portugal
tatsächlich dritte Kraft im internationalen Fußball
ist, mag diskutiert werden, aber dafür finden sich
wiederum anhaltende Abwärtstrends bei Frankreich
oder Italien im Ranking wieder.
Deutschland erholt sich stetig von einem
Einbruch vor wenigen Jahren, der auf ein großes,
anhaltendes Manko im FIFA-Ranking hindeutet: die geringe
Bewertung von Freundschaftsspielen. Das betrifft immer
wieder die Veranstalter von Turnieren, wie jüngst
Deutschland, Österreich, Schweiz und Südafrika,
die automatisch qualifiziert waren und keine Pflichtspiele
bestreiten mussten. Niedrig bewertete Freundschaftsspiele
lassen die Austragungsnationen regelmäßig im
Ranking abstürzen.
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